Wissenschaft

Hygiene ist nicht nur ein Thema in ihrer „Mutterdiziplin“, der Medizin, sie rückt auch zunehmend in den Fokus der Geisteswissenschaften. Neben der medizinischen Beschäftigung mit hygienerelevanten Themen sind etwa die psychologische Fundierung von Hygieneverhalten oder die rechtliche Einordnung etwa von Hygienezwischenfällen virulente Themen in jedem Sinne. Die Historisierung der Hygiene, ihr Wandel in der Zeit, kann den Blick auf aktuelle Probleme schärfen und dabei helfen, die Wiederholung von Fehlern der Vergangenheit zu vermeiden. Dabei kann die Reflexion von weltanschaulichen Hintergründen und philosophischem Unterbau erhellen, dass Hygiene eben niemals „nur“ Sauberkeit war. Die kulturellen und religiösen Unterschiede in der Wahrnehmung und Einordnung von Hygienethemen können den Blick für wesentliche Gemeinsamkeiten schärfen und dabei helfen, Vorurteile abzubauen. Die Darstellung von hygienerelevanten Themen in Literatur, Film und Fernsehen zeigt schliesslich das breite gesellschaftliche Interesse an der zunächst unterhaltungsfern erscheinenden Hygiene, die auch in der bildenden Kunst Thema wird. Wasserver- und Abwasserentsorgung bilden den Wandel in Hygienemaßnahmen von Stadtplanern und Architekten im Laufe der Geschichte ab. Hier finden sich prägnante Zusammenfassungen wissenschaftlicher Aufsätze um die Hygiene(-aufklärung).

Hygiene in

Medizin, Psychologie und Recht

Medizingeschichte und Philosophie

Anderen Kulturen und Religionen

Literatur, Kunst, Kultur und Medien

Stadtplanung und Wasserwirtschaft

 

Stadtplanung und Wasserwirtschaft

Stadtplanung, Wasser- und Abwasserwirtschaft sind bei der Seucheneindämmung und -prävention immer schon wesentliche Faktoren, da sie das Hygieneverhalten der Bevölkerung als Ganze beeinflussen und verändern.

Martin Denecke 2012: Rohstoffquelle Abwasser oder: das ambivalente Verhältnis des Menschen zu seiner Notdurft

Christian Eiden 2012: Hygiene in der Stadt Essen im 19. Jahrhundert am Beispiel der Wasserversorgung und Abwasserbewirtschaftung

Literatur, Kunst, Kultur und Medien

Hygiene-Aufklärung läuft nicht zuletzt über Literatur, aber auch klassische Massenmedien wie Film- und Fernsehen. Ob der Aufklärung dabei Genüge getan oder sogar gegen sie gearbeitet wird, muss immer wieder reflektiert werden. Auch die bildende Kunst bedient sich hygienerelevanter Themen, die sich besonders gut für Tabubrüche eignen.

Katharina Fürholzer 2016: „Iiiieh! Wie eklig!“ Kinderliteratur als Medium der Hygieneaufklärung

Constanze Fiebach 2016: „Schwulenseuche“ und „Homopest“? (Ent-)Stigmatisierung von Homosexualität und HIV/Aids im Medium Spielfilm

Tim Lieske 2016: Hygiene in Arzt- und Krankenhausserien. Leitfaden für die Praxis oder Zerstreuung für das Abendprogramm?

Susanne Düchting 2012: Hygiene und Kunst? Shit happens seit den 1960er Jahren

Aycha Riffi und Edgar Weiß 2012: „Millions of Germs Will Die“. Hygiene in Film und Fernsehen

Sabine Schachtner 2012: Toilettenpapier. Zur Geschichte der Wischkultur

 

Andere Kulturen und Religionen

Hygiene-Aufklärung tangiert oft den Kern des menschlichen Selbstverständnisses und dringt in intimste Bereiche vor. Dabei ist es wichtig, kulturelle Differenzen und Gemeinsamkeiten zu verstehen und sich religiöser Gebote und Tabus bewusst zu werden.

Michaela Diercke 2016: Hygiene in China – Von der Einführung westlicher Wissenschaften in China bis zur Hygiene in der harmonischen Gesellschaft

Tsagaan Gantumur 2016: Hygiene in der Mongolei

Nils Fischer 2016: „Wasche dich, denn Islam ist Sauberkeit!“ Hygiene, Körperpflege, rituelle Reinheit im Islam

Mathias Wirth 2016: „Wasch ab meine Schuld, von meinen Sünden mache mich rein“ Zur bleibenden Mythologie von Hygiene und Waschung

Walter Popp, Jörg Spors und Patrick Kreuz 2012: Ulaanbaatar – Hygiene im Gesundheitswesen der Mongolei

Hans-Curt Flemming 2012: Mythos Wasser – eine multikulturelle Spurensuche

Medizingeschichte und Philosophie

Die historische Entwicklung von Hygiene und auf- wie auch verklärerische Phasen beleuchtet die Medizingeschichte. Die philosophischen Grundlagen werden in wissenschaftstheoretischer wie auch erkenntnistheoretischer und nicht zuletzt ethischer Hinsicht relevant.

Hans Werner Ingensiep 2016: Was ist Aufklärung über Hygiene? Ein Streifzug von der Aufklärungszeit bis in die Gegenwart

Klaus Bergdolt 2016: Gesellschaft in Bedrängnis – Pest, Hygiene und öffentliche Verantwortung

Andreas Jüttemann 2016: Peter Dettweiler und die ersten Ansätze der Hygieneerziehung in den Tuberkulose-Heilstätten der Kaiserzeit

Kevin Liggieri 2016: „Der kategorische Imperativ der Nerven und des Blutes“ – Ellen Keys Dispositiv einer Biopolitik im Geiste der Aufklärung?

Elsa Romfeld, Wolfgang Buschlinger 2016: Dialektik der Hygiene

Thomas Höller 2016: Es muss weg. Die Bekämpfung von Hygieneschädlingen als spezielles Problem der Tierethik

Jasper Littmann/Alena Buyx 2015: Antibiotika-Resistenz: Ethische Aspekte einer drängenden Herausforderung

Hans Werner Ingensiep 2012: Ethik der Hygiene? Probleme, Pflichten, Beispiele

Owsei Temkin 2007: Eine historische Analyse des Infektionsbegriffs

Erwin H. Ackerknecht 2007: Antikontagionismus zwischen 1821 und 1867

Bruno Latour 2007: Krieg und Frieden. Starke Mikroben – schwache Hygieniker

J. Andrew Mendelsohn 2007: Der Mikroskopiker des modernen Lebens. Alexandre Yersin als Flaneur in Paris um 1890

J. Andrew Mendelsohn 2007: Von der >>Ausrottung<< zum Gleichgewicht: Wie Epidemien nach dem ersten Weltkrieg komplex wurden

Gerald L. Geison 2007: Organisation, Produkte und Marketing im Unternehmen Louis Pasteurs

Mariko Ogawa 2007: Die Cholera und der Suez-Kanal. Die britische Debatte über Robert Kochs Theorie des Cholerabazillus

Christoph Gradmann 2007: Unsichtbare Feinde. Bakteriologie und politische Sprache im deutschen Kaiserreich

Paul Weindling 2007: Ansteckungsherde. Die deutsche Bakteriologie als wissenschaftlicher Rassismus, 1890-1920

Alexandra Minna Stern 2007: Gebäude, Grenzen und Blut. Medikalisierung und Nation-Building an der amerikanisch-mexikanischen Grenze, 1910-1930

Philipp Sarasin 2007: Die Visualisierung des Feindes. Über metaphorische Technologien der frühen Bakteriologie

Marouf A. Hasian 2007:  Macht, medizinisches Wissen und die rhetorische Erfindung der >>Typhoid Mary<<

 

Medizin, Psychologie und Recht

Die Medizin als „Mutterdisziplin“ der Hygiene hat aktuell besonders in krankenhaushygienischer Hinsicht mit ihr zu kämpfen. Hygienepsychologische Fragen, die die Motivation und die Umsetzung von Hygienewissen in Hygieneverhalten beleuchten, münden nicht selten in rechtliche Fragen.

Walter Popp 2016: Medizin und Hygiene im Krankenhaus

Reinhold Bergler 2016: Psychologie der Hygiene

Bettina Lutze, Thomas von Lengerke et al. 2016: Risiko „im Griff“? Erste Ergebnisse des PSYGIENE-Projekts zur Motivationslage bezüglich der eigenen hygienischen Händedesinfektion bei Ärzten und Pflegekräften der Intensivmedizin

Barbara Kröning, Thomas von Lengerke 2016: Die Beteiligung von Patienten an der Prävention nosokomialer Infektionen: große Potenziale und manche Schwierigkeiten bei der direkten Ansprache des medizinischen Personals auf seine Händehygiene durch Patienten

Alfred Schneider 2016: Hygiene im Recht

Walter Popp 2012: Hygiene und Stigmatisierung. Von der Lepra bis EHEC