Medizin und Hygiene im Krankenhaus – Walter Popp

Keime sind nicht generell schlecht. Sie helfen, das menschliche Immunsystem aufzubauen und zu stärken und werden in der Lebensmittelherstellung seit jeher (wenn auch natürlich nicht immer schon wissentlich) genutzt, um einen bestimmten gewünschten Geschmack zu erreichen. Im Krankenhaus werden Keime allerdings dann zum Problem, wenn sie als sogenannte Krankenhauskeime zu nosokomialen Infektionen führen. Dabei lassen sich einige Keimgruppen als „Hauptverantwortliche“ herausstellen: Staphylococcus aureus ist die häufigste Ursache für postoperative Wundinfektionen; er wird, bei entsprechender Antibiotika zum MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus); Darmkeime, die bei jedem Menschen in großer Zahl im Verdauungstrakt vorkommen, werden dann zum Problem, wenn sie an andere Stellen transportiert werden. Sie können dann bspw. zu Harnwegsinfektionen führen; in resistenter Form werden sie zu MRGN (multiresistente Gram-negative Keime) oder VRE (Vancomycin-resistente Enterokokken); Auch Umweltkeime, vor allem Pseudomonas aeruginosa, können zu nosokomialen Infektionen (vor allem Lungenentzündungen) führen. Die unterschiedliche Überlebensdauer verschiedener Keime auf Oberflächen macht die Krankenhaushygiene und die flächendeckende, regelmäßige Desinfektion zu einem lebenswichtigen Feld. Die Zahl von Krankenhausinfektionen genau zu bestimmen, gestaltet sich in der Praxis äußerst schwierig. Dies hängt unter anderem damit zusammen, dass der Überwachungszeitraum und die Definition dessen, was als nosokomiale Infektion gelten soll, in verschiedenen Ländern unterschiedlich gehandhabt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass in Deutschland bei korrekter Durchführung von Hygienemaßnahmen in Kliniken bis zu 50% der Krankenhausinfektionen vermieden werden könnten. Im Krankenhaus sind multiresistente Erreger das hartnäckigste Problem, das derzeit hauptsächlich durch Isolierung infizierter Patienten angegangen wird. Ein noch größeres Problem, das besonders auf hygienische Mängel hinweist, ist der Ausbruch multiresistenter Erreger in Krankenhäusern. Derartige Asbrüche werden medial stark aufgegriffen, ziehen juristische und finanzielle Folgen für die Kliniken nach sich und sind nicht zuletzt eine tödliche Gefahr vor allem für geschwächte Patienten.

Um Ausbrüche, die oft durch verschiedene Faktoren hervorgerufen werden, rechtzeitig zu erkennen und bekämpfen, bzw. ihnen vorbeugen zu können, wird auch verstärkt auf die Mithilfe von Patienten und Angehörigen gesetzt, die das Krankenhauspersonal auf Mängel in ihrem Hygieneverhalten hinweisen sollen. So wie seit den 1970er Jahren etwa die Todesfälle durch Autounfälle mithilfe kostspieliger Kampagnen und Maßnahmen drastisch reduziert werden konnten, muss nun das Risiko durch Krankenhausinfektionen bekämpft werden. Es geht schließlich um Leben und Tod.

Der Volltext zu dieser Zusammenfassung findet sich in:                                                                                                          Ingensiep, H.W. / Popp, W. (Hrsg.): Hygiene-Aufklärung im Spannungsfeld zwischen Medizin und Gesellschaft. München/Freiburg: Alber-Verlag 2016.